Am 12. Oktober beginnen wir mit der Olivenernte...

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trotz Allem ...Trockenheit (es hat immer noch nicht geregnet!), steigenden Transportpreisen und sehr wenigen Oliven an den Bäumen, wir fangen an!

Seht Ihr sie? Ja, die Bäume sind nicht voll, wie in den vergangenen Jahren und zwar nicht nur auf unseren Feldern sondern in der ganzen Umgebung. Woran kann es liegen? Es muss im Frühling passiert sein, beim Übergang von der Blüte zur Fruchtbildung. Wahrscheinlich hat bei der Befruchtung irgend etwas nicht funktioniert. Die Olivenblüte beginnt bei uns schon im April, in diesem Jahr schon Mitte April und ist unterschiedlich bei den verschiedenen Sorten. Der Olivenbaum entwickelt eine große Menge cremeweißer Blüten; die Bestäubung erfolgt überwiegend anemophil, also durch den Wind, der den Pollen transportiert. Für einen optimalen Fruchtansatz ist eine Begegnung zwischen genetisch unterschiedlichen Individuen erforderlich – ein Merkmal, das als „Allogamie“ bezeichnet wird. 
Eine Besonderheit des Olivenbaums ist die „Protogynie“: Dabei wird die Narbe – das weibliche Blütenorgan – bereits empfängnisfähig, bevor die Staubbeutel den Pollen (die männliche Keimzelle) freisetzen. Dies geschieht im Durchschnitt mit einer Verzögerung von ein bis zwei Tagen. Dank dieser Eigenschaft können auch selbstfertile Sorten von der Anwesenheit von Bestäubersorten profitieren, was die Befruchtungschancen erhöht. 
Der Olivenpollen, der sich durch eine elliptische Form und eine hohe Austrocknungsresistenz auszeichnet, verbreitet sich am effektivsten bei warmem und trockenem Wetter. Durch den Wind kann der Pollen über weite Strecken – sogar über Kilometer hinweg – transportiert werden. Windstille, Regen oder ungünstige Temperaturen während dieser Phase können den Fruchtansatz – also die Entwicklung der Blüte zur Steinfrucht – beeinträchtigen. Bei hoher Luftfeuchtigkeit neigt der Pollen dazu, zu verklumpen und zu Boden zu fallen, was den Prozess zusätzlich erschwert. Obwohl die Haltbarkeit des Pollens je nach Sorte (Kultivar) variiert, ist das Wissen über diesen Aspekt noch recht begrenzt. 
Die Befruchtung des Olivenbaums erfolgt nur, wenn der Pollen, der die Narbe erreicht, als kompatibel erkannt wird. Die Erkennung der Kompatibilität zwischen Pollen und Narbe beim Olivenbaum wird durch spezifische Proteine ​​und biochemische Moleküle gesteuert; diese wirken zusammen, um sicherzustellen, dass nur kompatibler Pollen keimt. Diese Moleküle, die sowohl vom Pollen als auch von der Narbe produziert werden, fungieren wie molekulare „Schlüssel“ und „Schlösser“. Wenn Pollen und Narbe denselben genetischen Code aufweisen, wird der Pollen als inkompatibel erkannt und die Keimung blockiert, wodurch die genetische Vielfalt gefördert wird. Ist der Pollen kompatibel, keimt er und bildet den Pollenschlauch aus. Dieser wächst durch den Griffel, um die Spermazellen zu den Samenanlagen zu transportieren, wo die Befruchtung stattfindet. Manchmal kann die Bestäubung – auch ohne anschließende Befruchtung – die Bildung von Pseudodrupen (sogenannten „Spatzenoliven“ oder *olive passerine*) anregen; diese sind samenlos, liefern nur wenig Öl und neigen häufig zum vorzeitigen Abfallen. 
Jede Sorte gehört einer genetischen Kompatibilitätsgruppe an: Sorten derselben Gruppe befruchten sich untereinander meist nicht effektiv, während Sorten aus unterschiedlichen Gruppen sich erfolgreich gegenseitig bestäuben können. Diese Strategie ist in Olivenhainen mit nur einer Sorte von entscheidender Bedeutung, da der Anbau einer einzigen Sorte ohne wirksame Bestäubung zu geringen Erträgen führen kann. In spanischen Intensiv- und Superintensiv-Olivenhainen wird die künstliche Befruchtung als agrotechnologische Methode eingesetzt, um Ernten zu maximieren. Bei der agronomischen Planung müssen nicht nur die genetische Kompatibilität der Sorten, sondern auch die Synchronität der Blüte berücksichtigt werden: Für eine erfolgreiche Bestäubung ist es unerlässlich, dass die beteiligten Sorten im gleichen Zeitraum oder mit ausreichender zeitlicher Überschneidung blühen. Blüht eine Sorte im Vergleich zur anderen zu früh oder zu spät, kann die Fremdbefruchtung erfolglos bleiben. Die 4 unterschiedlichen Sorten, die hier bei uns auf den Feldern angebaut werden - Biancolilla, Cerasuola, Nocellara del Belice und Giaraffa-, sind das Ergebnis dieser Planungen und Erfahrungen der Bauern in Jahrhunderten. Aber der Klimawandel macht nicht nur uns zu schaffen.
Ein kritischer Faktor ist eben der Klimawandel, der die phänologischen Abläufe verändert. Eine durch milde Winter oder unbeständige Frühjahrsbedingungen verursachte Vorverlegung oder Verzögerung der Blüte kann die Synchronität zwischen den Bestäubersorten beeinträchtigen; zudem können hohe Temperaturen während der Blütezeit die Vitalität des Pollens mindern, dessen Qualität verändern oder die Produktion einschränken, wodurch die Befruchtungschancen sinken. Natürlich können auch Ereignisse wie anhaltende Regenfälle oder unzureichender Wind verhindern, dass die Pollen die Narben wirksam erreichen. Naja, und aus einem dieser Gründe haben sich aus den Blüten wenige Oliven entwickelt. 
Nach erfolgreicher Bestäubung erfolgt der Übergang von der Blüte zur Frucht, der sogenannte Fruchtansatz. Nur ein geringer Anteil der befruchteten Blüten entwickelt sich zu Oliven: zwischen 1 und 10 %, bei einem Durchschnitt von 2 bis 4 %. Nach der Blüte fallen die unbefruchteten oder nicht lebensfähigen Blüten ab, gefolgt von einem natürlichen Abwurf der schwächeren Olivenfrüchte. Erst nach etwa zwei Wochen lässt sich mit Sicherheit feststellen, welche Früchte tatsächlich angesetzt haben.
Also, es ist kompliziert aber wir fangen (trotzdem) an und werden bei unseren Olivenbauernkollegen gute Oliven einkaufen, um auch diese zu Olivenöl zu verarbeiten. Wir werden versuchen, soviel gutes Olivenöl wie möglich zu produzieren, um es Euch, wie in jedem Jahr seit vielen Jahren, zu verkaufen und zu schicken. Wir melden uns, wenn wir soweit sind. Die 5Lt. Boxen sind schon entworfen (von Manfred Kirschner natürlich, dem wir sehr danken!) und werden gerade gedruckt. Wir sind optimistisch, trotz Allem!
Und noch etwas, den Endpreis der 5 lt. BAG in Boxen teilen wir Euch mit, wenn wir auch über unsere Kosten etwas mehr Klarheit haben. Die Transportunternehmer streiken zur Zeit hier in Sizilien, weil die erhöhten Dieselpreise ihr Geschäft in grosse Schwierigkeiten bringen. Mal sehen, wie es weitergeht. Habt bitte etwas Geduld.
 


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