trotz Allem ...Trockenheit (es hat immer noch nicht geregnet!), steigenden Transportpreisen und sehr wenigen Oliven an den Bäumen, wir fangen an!

Seht Ihr sie? Ja, die Bäume sind nicht voll, wie in den vergangenen Jahren und zwar nicht nur auf unseren Feldern sondern in der ganzen Umgebung. Woran kann es liegen? Es muss im Frühling passiert sein, beim Übergang von der Blüte zur Fruchtbildung. Wahrscheinlich hat bei der Befruchtung irgend etwas nicht funktioniert. Die Olivenblüte beginnt bei uns schon im April, in diesem Jahr schon Mitte April und ist unterschiedlich bei den verschiedenen Sorten. Der Olivenbaum entwickelt eine große Menge cremeweißer Blüten; die Bestäubung erfolgt überwiegend anemophil, also durch den Wind, der den Pollen transportiert. Für einen optimalen Fruchtansatz ist eine Begegnung zwischen genetisch unterschiedlichen Individuen erforderlich – ein Merkmal, das als „Allogamie“ bezeichnet wird. 
Eine Besonderheit des Olivenbaums ist die „Protogynie“: Dabei wird die Narbe – das weibliche Blütenorgan – bereits empfängnisfähig, bevor die Staubbeutel den Pollen (die männliche Keimzelle) freisetzen. Dies geschieht im Durchschnitt mit einer Verzögerung von ein bis zwei Tagen. Dank dieser Eigenschaft können auch selbstfertile Sorten von der Anwesenheit von Bestäubersorten profitieren, was die Befruchtungschancen erhöht. 
Der Olivenpollen, der sich durch eine elliptische Form und eine hohe Austrocknungsresistenz auszeichnet, verbreitet sich am effektivsten bei warmem und trockenem Wetter. Durch den Wind kann der Pollen über weite Strecken – sogar über Kilometer hinweg – transportiert werden. Windstille, Regen oder ungünstige Temperaturen während dieser Phase können den Fruchtansatz – also die Entwicklung der Blüte zur Steinfrucht – beeinträchtigen. Bei hoher Luftfeuchtigkeit neigt der Pollen dazu, zu verklumpen und zu Boden zu fallen, was den Prozess zusätzlich erschwert. Obwohl die Haltbarkeit des Pollens je nach Sorte (Kultivar) variiert, ist das Wissen über diesen Aspekt noch recht begrenzt. 
Die Befruchtung des Olivenbaums erfolgt nur, wenn der Pollen, der die Narbe erreicht, als kompatibel erkannt wird. Die Erkennung der Kompatibilität zwischen Pollen und Narbe beim Olivenbaum wird durch spezifische Proteine ​​und biochemische Moleküle gesteuert; diese wirken zusammen, um sicherzustellen, dass nur kompatibler Pollen keimt. Diese Moleküle, die sowohl vom Pollen als auch von der Narbe produziert werden, fungieren wie molekulare „Schlüssel“ und „Schlösser“. Wenn Pollen und Narbe denselben genetischen Code aufweisen, wird der Pollen als inkompatibel erkannt und die Keimung blockiert, wodurch die genetische Vielfalt gefördert wird. Ist der Pollen kompatibel, keimt er und bildet den Pollenschlauch aus. Dieser wächst durch den Griffel, um die Spermazellen zu den Samenanlagen zu transportieren, wo die Befruchtung stattfindet. Manchmal kann die Bestäubung – auch ohne anschließende Befruchtung – die Bildung von Pseudodrupen (sogenannten „Spatzenoliven“ oder *olive passerine*) anregen; diese sind samenlos, liefern nur wenig Öl und neigen häufig zum vorzeitigen Abfallen. 
Jede Sorte gehört einer genetischen Kompatibilitätsgruppe an: Sorten derselben Gruppe befruchten sich untereinander meist nicht effektiv, während Sorten aus unterschiedlichen Gruppen sich erfolgreich gegenseitig bestäuben können. Diese Strategie ist in Olivenhainen mit nur einer Sorte von entscheidender Bedeutung, da der Anbau einer einzigen Sorte ohne wirksame Bestäubung zu geringen Erträgen führen kann. In spanischen Intensiv- und Superintensiv-Olivenhainen wird die künstliche Befruchtung als agrotechnologische Methode eingesetzt, um Ernten zu maximieren. Bei der agronomischen Planung müssen nicht nur die genetische Kompatibilität der Sorten, sondern auch die Synchronität der Blüte berücksichtigt werden: Für eine erfolgreiche Bestäubung ist es unerlässlich, dass die beteiligten Sorten im gleichen Zeitraum oder mit ausreichender zeitlicher Überschneidung blühen. Blüht eine Sorte im Vergleich zur anderen zu früh oder zu spät, kann die Fremdbefruchtung erfolglos bleiben. Die 4 unterschiedlichen Sorten, die hier bei uns auf den Feldern angebaut werden - Biancolilla, Cerasuola, Nocellara del Belice und Giaraffa-, sind das Ergebnis dieser Planungen und Erfahrungen der Bauern in Jahrhunderten. Aber der Klimawandel macht nicht nur uns zu schaffen.
Ein kritischer Faktor ist eben der Klimawandel, der die phänologischen Abläufe verändert. Eine durch milde Winter oder unbeständige Frühjahrsbedingungen verursachte Vorverlegung oder Verzögerung der Blüte kann die Synchronität zwischen den Bestäubersorten beeinträchtigen; zudem können hohe Temperaturen während der Blütezeit die Vitalität des Pollens mindern, dessen Qualität verändern oder die Produktion einschränken, wodurch die Befruchtungschancen sinken. Natürlich können auch Ereignisse wie anhaltende Regenfälle oder unzureichender Wind verhindern, dass die Pollen die Narben wirksam erreichen. Naja, und aus einem dieser Gründe haben sich aus den Blüten wenige Oliven entwickelt. 
Nach erfolgreicher Bestäubung erfolgt der Übergang von der Blüte zur Frucht, der sogenannte Fruchtansatz. Nur ein geringer Anteil der befruchteten Blüten entwickelt sich zu Oliven: zwischen 1 und 10 %, bei einem Durchschnitt von 2 bis 4 %. Nach der Blüte fallen die unbefruchteten oder nicht lebensfähigen Blüten ab, gefolgt von einem natürlichen Abwurf der schwächeren Olivenfrüchte. Erst nach etwa zwei Wochen lässt sich mit Sicherheit feststellen, welche Früchte tatsächlich angesetzt haben.
Also, es ist kompliziert aber wir fangen (trotzdem) an und werden bei unseren Olivenbauernkollegen gute Oliven einkaufen, um auch diese zu Olivenöl zu verarbeiten. Wir werden versuchen, soviel gutes Olivenöl wie möglich zu produzieren, um es Euch, wie in jedem Jahr seit vielen Jahren, zu verkaufen und zu schicken. Wir melden uns, wenn wir soweit sind. Die 5Lt. Boxen sind schon entworfen (von Manfred Kirschner natürlich, dem wir sehr danken!) und werden gerade gedruckt. Wir sind optimistisch, trotz Allem!
Und noch etwas, den Endpreis der 5 lt. BAG in Boxen teilen wir Euch mit, wenn wir auch über unsere Kosten etwas mehr Klarheit haben. Die Transportunternehmer streiken zur Zeit hier in Sizilien, weil die erhöhten Dieselpreise ihr Geschäft in grosse Schwierigkeiten bringen. Mal sehen, wie es weitergeht. Habt bitte etwas Geduld.
 
Das Klima - ab Juni fast immer an der Grenze von 40 Grad und nachts nie unter 30 Grad  - , Feuer - überall und schreckliche Zerstörungen von Wald und Feld und Feuer entsteht nicht von selbst, es wird angezündet - . das Meer mit 30 Grad und der Vulcan, der Etna, der dem Tourismus Ehrgeiz sehr weh getan hat...ja, es war nicht schön ...
...und wir waren nicht nur um uns besorgt sondern natürlich um unsere Oliven. Seit April hat es hier nicht geregnet, auch jetzt im September ist die tägliche Temperatur noch 30 Grad. Wir konnten bewässern und das haben wir getan, um den Bäumen zumindest ein bisschen zu helfen. Leider sind sehr wenige Oliven an den Bäumen und das nicht nur bei uns sondern in der ganzen Umgebung. Das liegt wohl an den Klimabedingungen zur Befruchtungszeit im April . Es kann der falsche Wind oder zu starker Wind gewesen sein. Aber die wenigen Oliven sehen sehr gut aus! 
Sobald die Erntezeit beginnt, werden wir versuchen, bei anderen Olivenbauern Oliven hinzuzukaufen, damit wir den Bedarf unserer treuen Kunden befriedigen können. Mal sehen, ob es klappt. Aber wir verlieren die Zuversicht nicht! Manfred Kirschner hat schon das Aquarell für die neue Box entworfen.
Danke Mani, wie immer super!!!!
Es wird unsere Jubiläumsausgabe, unser 10. Jahr hier in Menfi.
Naja, trotz Allem hatten wir viel Besuch, aus der Valle d'Aosta, aus München, aus Triest und haben dann gemeinsam mit unseren Freunden unsere nähere und weitere Umgebung entdeckt. 

Gibellina ist in diesem Jahr Hautstadt der zeitgenössischen Kunst. Der Titel “Italienische Hauptstadt der zeitgenössischen Kunst” wird zum ersten Mal in Italien vergeben und verleiht Gibellina eine noch nie dagewesene Rolle im nationalen Kulturpanorama. Die Stadt, nach dem Erdbeben von 1968 neu aufgebaut, in der die Kunst eine zentrale Rolle bei der Neudefinition des städtischen Raums und der kollektiven Identität spielte, wird nun zum Schauplatz einer umfassenden Reflexion über die Beziehung zwischen künstlerischer Produktion, Gemeinschaft und Territorium. Portami il futuro knüpft in idealer Weise an die Erfahrungen von Ludovico Corrao an, der den kulturellen Wiederaufbau von Gibellina zunächst als Bürgermeister und dann als Präsident der Stiftung Orestiadi vorangetrieben hat. Das Programm will diesen Ansatz erneuern, indem es die zeitgenössische Kunst als gemeinsame Praxis von Künstlern, Bürgern und Institutionen und als Instrument zum Aufbau sozialer und staatsbürgerlicher Beziehungen positioniert. In diesem Sinne wird der Begriff “Hauptstadt” neu interpretiert, und zwar nicht als Konzentrationszentrum, sondern als offener Raum für eine weit verbreitete kulturelle Produktion. 
Und wir haben mitgemacht und es war einfach gut, sehr gut mit Virgilio Sieni, seiner Truppe und den Menschen in Gibellina. 
Jaund dann waren wir  in Segesta, auf dem Monte Adranone, in Selinunte, in Giuliana und sind sogar bis Tindari und Reggio Calabria gefahren, trotz Hitze.  und am Ende war es ein harter aber guter Sommer, dank unserer Freunde 
und den vielen Menschen, die sich hier täglich bemühen, das Leben so gut wie möglich zu gestalten. 
und ach ja, ich vergaß es beinahe, wir haben auch unseren berühmten Wein gemacht!

Im Herbst 2025, kurz vor der Olivenernte, hat uns ein Freund und treuer Kunde aus Köln, Wolfgang Krautner, besucht. Er hat uns von den Mineralölrückständen in den Lebensmitteln erzählt und gefragt, ob auch wir uns damit beschäftigen. Das hatten wir bisher noch nicht getan aber sobald wir mit der Olivenernte fertig waren, haben wir uns in die Recerchen gestürzt.

Das Cretto von Burri im alten Gibellina und Wolfgang Krautner

Ob Schokolade, Olivenöl, Reis oder Brotaufstriche – die Liste ist lang und lässt erahnen, dass es sich nicht um ein Randphänomen handelt, sondern dass im Gegenteil Nahrungsmittel des täglichen Lebens von Kontaminierung betroffen sind. Fest steht, dass sich die verschiedenen Mineralölkohlenwasserstoffe im menschlichen Gewebe anlagern, auf Organfunktionen auswirken und Tumorbildung fördern. Teilweise gelten sie sogar als potenziell krebserregend. Dabei muss unterschieden werden zwischen MOSH (Mineral Oil Saturated Hydrocarbons, gesättigte Mineralölkohlenwasserstoffe) und MOAH (Mineral Oil Aromatic Hydrocarbons, aromatische Mineralölkohlenwasserstoffe). Aus humantoxikologischer Sicht sind MOAH wesentlich bedenklicher als MOSH.


DiesesThema hatten wir bisher nicht berücksichtigt aber es erschien uns sehr logisch, denn die Oliven können auf dem Feld auf verschiedene Weise kontaminiert werden, z.B. durch die Abgase der Dieselmotoren bei der Kulturpflege oder der Ernte, Schmieröle und/oder Abgase von Kettensägen, wenn im gleichen Arbeitsschritt wie die Ernte auch der Baumschnitt erfolgt. Als Kontaminationsquelle im Feld gibt es eine gewisse Hintergrundbelastung aus Umweltemissionen (Verbrennungsabgase, Feinstaub, Zersetzung von Straßenteer, Bitumen und Altreifen). Des Weiteren können die Oliven auf dem Weg vom Feld zur Presse mit Mineralöl verschmutzt werden, sei dies durch die Transportbehälter, durch die Lagerung oder wiederum durch Abgase. Eine weitere wichtige Kontaminationsquelle sind die Schmieröle (lebensmittelverträgliche raffinierte Mineralöle), die in den verarbeitenden Maschinen (Förderbänder, Mühlen und Knetwerke) eingesetzt werden. Beispielsweise werden die Rollen von Förderbändern mit Schmiermitteln geölt und, falls kein Spritzschutz vorhanden ist, könnten kleine Mengen des Schmieröls auf die Oliven gelangen. Zudem sind auch der Transport zu den Abfüllorten und die Aufbewahrungsgefäße mögliche Kontaminationsquellen. 


Also haben wir versucht, unser Olivenöl analysieren zu lassen. Es war nicht einfach, aber nach einer langen Suche haben wir es geschafft: im Zollverein vom Hafen Palermo wurde unser Olivenöl im Dezember 2025 nach MOSH und MOAH Spuren untersucht. Die Ergebnisse sind sehr gut, es gibt ganz geringe Spuren von MOSH aber keine MOAH Kontaminierung. 

Wir sind natürlich sehr erleichtert aber vor allen Dingen wissen wir jetzt (und dafür sind wir Wolfgang Krautner sehr dankbar), dass die Gefahr der Kontaminierung besteht und das ermöglicht es uns, wachsam zu sein und Fehler, die wir vielleicht unbewusst begehen, zu vermeiden. Außerdem können wir auch andere Produzenten und die Ölmühlen auf die Gefahr hinweisen und das kann der ganzen Gemeinschaft (Produzenten und Kunden) zu Gute kommen. 
Die neuen Oliven wachsen!








Das Jahr 2026 hat mit Wirbelstürmen und Regengüssen begonnen, dunkle Wolken über unserem Mittelmeer haben uns daran erinnert, dass wir Menschen unsere schlechten Gewohnheiten zu weit getrieben haben. Das Mittelmeer hat sich zu sehr erwärmt. Auch heute (der 14. April) sind wir und unsere Olivenbäume wieder einem Wirbelsturm ausgesetzt.

Zwischen den Stürmen wird es dann meistens warm, sehr warm und alles fängt an zu blühen und dann sind die jungen, zarten Knospen bei dem nächsten Sturm in grosser Gefahr. Das Gras wächst wie verrückt und es ist sehr schwierig die vielen Arbeiten zu programmieren.
Trotz dieser Wetterbedingungen haben wir es geschafft, alle Bäume zu schneiden und neue Oliven Bäumchen zu pflanzen. Aber es wird ein schwieriges Jahr werden und nicht nur wegen der Wetterbedingungen. Schon seit Anfang des Jahres sind wir Bauern alle sehr besorgt um die Bewässerungsmaßnahmen, die wir im Sommer brauchen. Die Stauseen sollten voll sein weil es soviel geregnet hat aber leider sind sie nicht fähig, das Wasser aufzunehmen und oft läuft es ins Meer. Abgesehen davon sind die Wasserleitungen viel zu oft kaputt. Es gibt schon seit Monaten Versammlungen und man versucht, die regionalen Politiker zur Verantwortung zu rufen aber ohne viel Erfolg. Die Stimmung ist nicht gut, der nahe Krieg beunruhigt und die Kosten steigen ständig. Seit gestern streiken die Transportunternehmen und das ist für uns hier in Sizilien schon etwas beunruhigend. Aber wir machen tapfer weiter, gegen die Brücke, die Korruption, den Krieg ... 

















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